Sonntag, 6. Oktober 2013

Eigenartig gefällig

Was macht einen Musiker dieser Tage speziell? Oder gar herausragend im eigentlichen Sinne? Ich meine, unabhängig von Haarfarbe, Mode und etwaigem Auftreten in der Öffentlichkeit.

Die Frage stelle ich aus dem Anlass heraus, dass ich in der vergangenen Woche einige Stunden im Auto (Würzburg - Münster - und zurück) verbracht habe. Im krassen Gegensatz zu meiner sonstigen Gewohnheit lief überwiegend das Radio. Und jetzt mal fernab von stilistischer Kritik an dem was gemeinhin als "Mainstream-Musik" gilt - sei sie berechtigt oder nicht -, ist bei mir nicht viel an Charakteristik der einzelnen Musiker hängen geblieben. Und das, obwohl man auf einer 4-Stunden-Fahrt durchaus die Gelegenheit hat, sich einzelne Songs mehrmals zu Gemüte zu führen.

All die Hits mögen in ihrere Simplizität durchaus mit teilweise ausgefeilten Hooklines und "catchenden" Arrangements arbeiten, persönliche Noten der Musiker selbst scheinen aber auf ein absolutes Minimum herunterproduziert zu sein. Klar, es gibt hohe Stimmen und tiefe Stimmen. Auch Sänger sind dabei, deren gesangliches Unvermögen ein durchaus sympathisches Charakteristikum darstellt. Aber gefühlt niemals wird mit der persönlichen Note gespielt. Entweder wird diese totgenudelt oder nach und nach hinter einheitlicheren Produktionen versteckt.


Der Kontrast kam zum Tragen, als mein Beifahrer das Debütalbum von Jon Kenzie in den CD-Player schob. Jon Kenzie ist eine unserer Entdeckungen des Würzburger STRAMU-Festivals. Beide verfügbaren CDs wurden direkt vor Ort gekauft und beschäftigen mich bis jetzt noch überdurchschnittlich.

Bei Jon Kenzie fällt - ob live oder auf Platte - das Charakteristische schnell auf. Seine Stimmführung, seine Intonation, seine Artkulation. Kurz: sein Gesang. Hinter einem Gitarrenspiel, das Einflüsse der Größen des Blues und Folk nicht verstecken kann und will, erhebt sich ein mitunter zerbrechlicher aber entschlossen artikulierter Gesang, der in den hohen Lagen in etwas abrutscht, was am ehesten an Louis Armstrong erinnert. Dieses nasale Knödeln, wirkt im ersten Moment gewollt, setzt sich nach Kurzem aber im Ohr fest und wird schnell zu etwas wie einem engen Vertrauten.

(Hier sollte eigentlich ein Video zu "Silly Little Thing" stehen. Youtube lässt es mich leider nicht verlinken. Man suche selbst.)

Viele Jahre tourt der aus Manchester stammende Jon Kenzie nun schon durch die Straßen und Jazz-Clubs Europas. Damit ist er ein weiteres Beispiel dafür, dass Straßenmusik nicht nur Mut und Durchhaltevermögen, sondern auch Können, Kreativität und Überzeugung benötigt. Ohne das außergewöhnliche Etwas, die persönliche Note fällt die Musik nicht auf. Ausreichend Platz ist auf den Straßen da, um sich der Musik nicht aussetzen zu müssen. Der Musiker muss also überzeugen.

Und es scheint, als habe Jon Kenzie das in sein Songwriting und damit mit auf CD übertragen. Selten überzeugt so gefällige Musik so schnell auf ihre eigene Art.

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