Mittwoch, 30. Oktober 2013

Wenn's Herbst wird in der dänischen Wüste

Wie sich ein Konzert dieser Band wohl anfühlen muss, kann man sich sehr gut vorstellen. Wie es jedoch klingen mag, dieses Konzert, darüber will sich mein Kopf nicht ganz klar werden. Umso mehr stört es mich, dass ich The DeSoto Caucus am vergangenen Samstag um wenige Minuten verpasst habe und nun lediglich mit dem aktuellen Album, das meine Freundin erstanden hat, mit Erzählungen und dem durchaus sympathischen Eindruck Vorlieb nehmen muss, den die Dänen nach ihrem Auftritt hinterlassen haben.

Obwohl The DeSoto Caucus schon seit Anfang der 00er Jahre zusammen Musik machen - es besteht eine beinahe untrennbare Beziehung zum Singer/Songwriter Howie Gelb und dessen Musikerkollektiv Giant Sand - veröffentlichte die Band im März 2013 mit Offramp Rodeo erst ihr zweites Album. Das dürfte wohl einer der Gründe für die Stringenz und musikalische Kohärenz des Albums sein. Statt klarer konzeptueller Arbeit klingt das Ganze eher nach wohlüberlegtem Zusammenfassen von Herzenssongs vergangener Schaffensphasen.


Dieser Eindruck wird bestätigt, wenn man sich die relativ sympathisch unbeholfenen Anmerkungen zu den einzelnen Songs auf der Website der Band respektive im Booklet durchliest. Dabei wird keine Gedankenwelt um die Songs aufgebaut, nichts mit Bedeutung überfrachtet und erklärt. Im Mittelpunkt steht die Entstehung des Songs, die jeweilige Situation und der Grund, weshalb er der Band gut genug für das Album erscheint. Und sei dies nur - nun ja -, weil er scheinbar einfach gefällt: "Maybe love songs are inevitable. Maybe everything's already been said, and said better, and you could ask if we really need another one. But then there's still the music, and Nikolaj’s guitar playing is definitely needed in this world. So sit back and crank it."

Offramp Rodeo überzeugt jedoch nicht vom ersten Song an. Der Opener "Live in the Stream" wirkt mir persönlich auch nicht aussagekräftig genug, um für das komplette Album sprechen zu können. Eher Intro als Opener. Schon der zweite Song "OCB" weiß aber bei weitem mehr über den weiteren Verlauf und die Umstände zu erzählen, die das Album vermittelt. Der tolle "Offbeat-Circuit-Breakers"-Refrain nistet sich zudem auch schnell in den Ohrmuscheln ein. Der Schunkelbeat in bester melancholischer Schunkelgeschwindigkeit tur sein Übrigres. Der Hörer wird an die Hand genommen - und weiter gehts.

Im weiteren Verlauf meint man, auf alte Bekannte zu treffen. Im Gitarrensolo von "Offramp Rodeo" schaut Mark Knopfler durchs Fenster, der auch später immer mal wieder freundlich hereinlächeln wird. "Here's One" beginnt mit Gitarren, die stark an Neil Youngs Soundtrack zu Dead Man erinnern. In der gleichen Weise ließen sich gesanglich aber auch Bezüge zu Archives Unplugged-Album aufstellen - nur mit mehr abgebrühter Coolness. Aber trotz klarer Traditionen, sind das alles nichts mehr als kurze Anklänge.

The DeSoto Caucus liefern im weitesten Sinne eine warme, ruhige Alternative zu dem, was Indie-Pop mal war. Dabei klingen die Dänen einerseits schwer nach Wüste und andererseits voll wie eine Folkband, die die Songs ihres Singers/Songwriters interpretiert.

Das Songwriting überzeugt dabei auf jeden Fall. Und eine ausgewogene (und tatsächlich dynamische) Produktion unterstreicht dieses Gefühl. So finden gerade jetzt Liebhaber einer gepflegten Herbstmelancholie einen treuen und beruhigend geschichtenerzählenden Freund in Offramp Rodeo. Der Selbsttest zeigt vor allem eine überdurchschnittliche Tauglichkeit für nächtliche Autofahrten.

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