Donnerstag, 5. Dezember 2013

Aloa Input: Die Machete im Indie-Dickicht


Begründer und Vertreter des New Weird Bavaria. Sitzend. Foto: Ela Grieshaber

Das ist es also, das neue schräge, sonderbar sympathische Bayern - New Weird Bavaria, wie es die kreativen Köpfe um Bands wie Aloa Input und The Marble Man in Anlehnung an eine originär amerikanische Bewegung nennen. Und so passend der Name damals war, so gut versteht man, wieso die Bayern sich in diese Tradition stellen.

Denn vielerorts werden in diesem Zusammenhang jetzt vollkommen zurecht Bezüge zu Animal Collective, Vampire Weekend und Sufjan Stevens gezogen. Und ja, daraus macht man in München keinen Hehl. Auf A wie Amerika folgt B wie Bayern! Was dabei verloren geht, ist das Faktum, dass die Projekte aus denen Bands wie Aloa Input hervorgehen auch schon wundervoll innovativ waren und sind. Beispiele sind hier Missent to Denmark und Angela Aux.


München spielt dabei jedoch nicht nur als Schmelztiegel der schon seit jeher produktiven bayerischen Musikszenen eine große Rolle. München könnte als Prädikat des New Weird Bavaria dienen. München könnte das Dorf sein, in dem der Proberaum lockt und die Bandkollegen wohnen. Aber München ist nicht Hamburg oder Berlin. Und eigentlich hätte sich eine Band wie Aloa Input auch in irgendeinem anderen Winkel Bayerns zusammenfinden können.

Wichtig ist, dass sich all diese Musiker gefunden haben und mehr oder weniger subversiv den deutschen Pop umkrempeln. Weg vom auch im Indie-Bereich allzu verbreiteten und mittlerweile einfach ausgelutschten Pop-Rock wie es die Mikroboys und Herrenmagazins nach wie vor durchexerieren. Hin zu etwas, was man im ersten Moment fast schon gewagt nennen könnte.

Aloa Input öffnen eine Tür zu einer Welt, die sie nicht nur schön bunt dekoriert haben - man sehe sich nur das Artwork des jüngst erschienenen Debüts Anysome an. Dort geht es drunter und drüber, Takte werden verschoben, Samples übereinandergeschichtet und Genregrenzen über den Haufen geworfen. Mit anderen Worten: Man hört dem Album und damit auch der Band die Entstehungsphase(n) an.


Die drei Musiker Flo Kreier, Marcus Grassl und Cico Beck kommen aus Hip-Hop, Stoner-Rock, Indie und E-Musik. Hier und da klingen entsprechende Sozialisationen durch. Aber im Großen und Ganzen klingt Anysome schlichtweg nach Interesse an Musik und Klang. Das Tüfteln an jedem einzelnen Sampleeinsatz, diese Perfektion im Klangarrangement springt einem geradezu ins Gesicht. Jedoch ohne dabei anstrengend zu werden. Ganz im Gegenteil. Durch die lockerleichte Instrumentierung und den eher zurückgenommenen Gesang fließt die Musik dynamisch dahin.

Ein Studiowerk, das das Trio auf der gerade zu Ende gegangenen Tour mehr als überzeugend auf die Bühne gebracht hat. Auch hier zeigt sich die Perfektion und daneben vor allem eine weitere Sache: Aloa Input sind mehr als ein Studioprojekt. Sie sind eine junge Band, so professionell sie ihr musikalisches Paket auch abliefern. Zwischen den Songs scheinen einige sympathische Eigenarten solch junger Bands durch. Dinge wie bandinterne Hänseleien um Marcus' "erste Gitarre", die zwar einen hohen emotionalen Wert hat aber klanglich nicht den Ansprüchen der anderen Musiker genügt.

Die Band funktioniert also sowohl live, als auch auf Platte. Wunderschöne Klangwelten und (wirklich) frische Arrangements. Absolut weihnachtsgeschenktauglich. Die CD verliert so schnell nicht an Unterhaltungswert und ist damit die perfekte Überbrückung der dunklen Jahreszeit. Danke dafür, dass die Bayern momentan so innovativ und produktiv sind. Es muss ja nicht immer new und weird sein, gut tuts dem Popmusikgeschehen aber trotzdem.

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