Donnerstag, 20. März 2014

Die Heiterkeit: "Wer bitte braucht das?"

Ich wollte wirklich nicht darüber schreiben. Die Heiterkeit hat mich nicht gepackt - im scheinbaren Gegensatz zu ungefähr jedem Musiksachverständigen auf dieser Welt. Hat mich das neue Album der Heiterkeit doch ungefähr ähnlich gleichgültig hinterlassen wie der sympathische Smiley auf der Homepage der "Mädelsband" es illustriert.



Aber ich möchte auf jeden Fall kurz auf guteshoerenistwichtigs (rhetorische) Frage antworten, die seine Besprechung zur Heiterkeit schließt. "Wer bitte braucht das und wer hört sich das freiwillig an?" Und eigentlich möchte ich dazu auch etwas ausholen.

Das Album beginnt und macht Angst. Ich habe Angst vor dieser Synthesizer-Klingel am Tor der "Factory". Die Tür geht auf, eine Hipster-Nico murmelt in seltsamer 60er-Jahre-Schlager-Artikulation irgendwas von Schlaftrunkenheit ("oho") und früher. Schellenkranz und irgendwo links hinten eine eigentlich recht angenehme Gitarre. Das Schlagzeug minimalisiert sich mit dem Plektrum-Bass um die Wette.

Warmes "Kalifornien", "Daddy's Girl", "Auge" - aus meinem Tagtraum erwache ich wieder beim Refrain von "Wohin gehst du, Cary Grant". Kurz fangen, Lage und nebenbei E-Mails checken - "Kapitän, oh Kapitän, wer hat bloß dein Schiff gesehen?". Beim zweiten Refrain erwische ich mich dabei, wie ich seltsam artikulierend "... tausende Lieder über DICH" mitsinge. Gelernt ist gelernt.

Ich denke über die ganze Situation nach. Mehr als belanglos kann das nicht sein. Alles schon dagewesen, allesnurgeklaut, hier Tocotronic, da Marlene Dietrich, überall die Lassie Singers. "Bruder", "Frühlingsjunge", irgendwas mit Pferden - Ich habe eigentlich keine Lust mehr. War's das dann?

"Komm, wenn du willst. Wir halten in den gleichen Städten an" Okay, zum Abschluss gibt's nochmal eine schöne Melodie. Bass-Gitarre, Bass-Drum - und die Snare dazu. Minimalistische Entwicklungen waren schon immer ein toller Effekt. Die Melodie lullt mich ein, ich schließe die Augen. Gitarre hinten links, Synthesizer knapp darüber.

"Du kommst mit Pauken und Trompeten, die Heiterkeit ist hier gewesen. Du liebst mich immer noch wie am ersten Tag." Augen auf. Diese Zeilen haben es in sich. Wundervoll musikalisch werden die Wörter hier betont. Der Gesamtklang macht Spaß. Der Song macht Spaß - wie wärs mit einem Bier?

Aber: Aus. Und eigentlich könnte ich jetzt wieder von vorne anfangen - das Bier ist ja noch voll. Also, Synthsizerklinger am Tor der "Factory", Hipster-Nico, ganz nett hier, ....

Ich hätte es nicht gebraucht, schön ist es aber doch - wie Fruchtbuttermilch. Und ich muss gestehen, immer öfter höre ich mir das Album auch freiwillig an. Ich glaube sie hat mich gepackt, die Heiterkeit.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen